sagt Ross Lovegrove innerhalb eines Vortrages indem er über seine Motivation zu Entwerfen, Erfinden und Entwickeln sprach. „Ich setzte nicht mehr Charles Eames in die Architektur von heute. Ich entwickle die Möbel für die Architektur von heute.“
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Wir gehen weiter! – ist sein Credo und seine Forderung an Gestaltung heute. Dabei folgt er seiner eigenen „DNA„. Die drei Buchstaben stehen bei Lovegrove für Design Nature Art. Sie bilden die Eckpfeiler seiner Produktentwicklungen. Er beobachtet beispielsweise Knochenstrukturern (Lovegrove loves bones) und versucht über polymere Kunststoffe entsprechende Eigenschaften herzustellen, wie man sie auch in der Natur findet. Es scheint, als würde bei Lovegrove Design zur Idee, Natur zum Formgeber und schließlich die Kunst (Art) zur Aussage der Produkte, die in seinem Atelier heranreifen.
Lovegrove ist ein faszinierender Kopf, der mit seinem Design auf, wie ich glaube, sehr aktuelle Art Produkte interpretiert und dabei sowohl ihre Individualität, als auch ihre Effizienz im Blick hat. Er betont die Reduktion des Materials, als eine der großen Lektionen biotechnischer Vorbilder, wie z.B. der Knochen.
Dann erzählt er, wird er eingeladen und gebeten ein Design zu bieten, dass was neues hergibt- so beginnt die Anekdote. Er steht vor der Gruppe Anzugträger und erzählt, was er für richtig hält und spürt wie die Herrschaften durch ihn durchblicken, ihn nicht verstehen können oder wollen – oder nur an dem Lovegrove-effekt interessiert sind, an dem Lovegrove wiederum nicht interessiert ist, nämlich dass es spaceig aussehen soll – und da lehnen sie ab. Lovegrove: „I deliver, they don’t take it…fuck ‘em!“
Für mich ist die Geschichte eine Parabel für das Alltagsgeschäft als Gestalter. Man kämpft gegen eine Legion von Beratungsliteratur und Fernsehformate an, dass es schwieriger wird sich als Ideengeber oder Neuerer zu behaupten. Vor allem wird die Expetise nicht ernst genommen. In der x-ten Ikeageneration ist der Spruch „wohnst du noch oder lebst du schon ?“ derart verinnerlicht und selbstbewusst beantwortet, dass dem Gestalter nicht viel Gestaltung bleibt. Ikea hat die Experimente geschluckt. Statt Raufaser das Billy-Regal, etc. Im Laufe der Gespräche macht man seine Vorschläge, wird aber für die etwas ausgefalleneren Ideen sanft belächelt und erst dann bewundert, wenn man das „malt“ was die Auftraggeber kennen. Das ist nicht zwingend was sie wünschen, aber das einzige, das sie beurteilen können. Alles andere verlangte, sich auf ein Experiment einzulassen.
Andererseits steht in dem Segement, in dem ich mich bewege, selten ein wirkliches Experiment an (es sei den es geht um Farbigkeit – siehe hier). Die Arbeit ist anders, verlangt auch nicht nach den Werkzeugen aus der Ideenschmiede eines Lovegrove und auch nicht nach seinen organischen Vorbildern. Wiewohl ich am Rechner und an CAD-Programmen arbeiten kann, benötige ich doch vor allem den Zeichenstift um meine Ideen zu transportieren. Wir Innenarchitekten gehen ein wenig wie ein Therapeut in die „Höhlen“ unserer Kunden. Manchmal habe ich den Eindruck, unser Gebiet ist eher soziologischer als technischer Natur. Wir müssen verstehen wie die Klischees der Auftraggeber funktionieren, um angemessene Formen zu entwickeln. Oftmals kann Technik nur übersetzt werden, indem man sie kaschiert. Das alles ist natürlich konträr zu einer Lovegroveschen Designauffassung. Aber vielleicht ist das ja auch genau die Grenze zwischen Interior und Design?





2 comments
Comments feed for this article
Februar 22, 2007 um 3:41
Sorbas
Ein spannender Artikel, wenngleich Du Dich entscheiden mußt, ob Du in die Höhle oder etwas die Hölle Deiner Kunden gehst…
Mai 23, 2007 um 1:59
Annette
Die Innenarchitektur Design kommt doch in den heutigen Gebäuden wirklich an. Ich bin so experimentierfreudig wie noch nie. Was gestern spacig war ist heute schon normal, habe ich überdies den Eindruck. Für die Zukunft brauchen wir dagegen neue Lebensformen zum Menschsein und da liefert Lovegrove tasächlich Vorschläge. Wichtig ist auch, denke ich, die Bezahlbarkeit von Gebrauchsgegenständen.
Wir gehen weiter!