anhand der Farbgestaltung der Palliativstation.
Bevor irgendwer an das Internet dachte oder gar an den Bürgerjournalismus, gab es schon das Bewusstsein des ich-lass-mir- doch- nichts-erzählen. Gestalter aller Richtungen begegnen diesem anything goes mit spitzen Lippen, rümpfen die Nasen oder wenden den Blick ab. Sie fühlen sich durch die Beliebigkeit angewandter Klischees (z.B. der Tarracottafliese in speckiger Patina und mit oberflächenversiegelndem Lotuseffekt) nachgerade herausgefordert zu behaupten, Grau sei auch ein schillernde Farbe.
Nun sind es ja gerade diese subjektiven, mit rationalen Argumenten kaum bei-zu-kommenden Dispute über Farben, die in der Misere des größten gemeinsamen Nenners deutscher (weltweiter?) Wandgestaltungen führen. Man nehme von allem ein wenig, das Ganze auf Raufaser und erfreue sich schließlich an einem mutigen Weiß.
Im Spannungsfeld eines großen Unternehmens, welches auf vielen Ebenen viele Entscheider kennt, entstehen also zwangsläufig wirre und schwierige Verhandlungen über so ziemlich das einzige, wozu jeder eine persönliche und eindeutige Meinung hat: den guten Geschmack. Da sich über Funktion selten streiten lässt – aus Bescheidenheit sage ich an dieser Stelle: Die Kunden bestimmen die Funktionen und wir: Designer, Planer, Architekten, Innenarchitekten, etc., wir optimieren sie – entfaltet sich meist an der Farbe der eigentliche Disput, werden um die Farbe die großen Schlachten geführt und auch hier die großen Niederlagen erlitten, die keine Farbe kennen, nur einen Ton: Weiß!
Der Architekt Alfred Brinkhaus musste an der Front diese Schlacht zu führen. In unserem virtuellen Hauptquartier hatten wir die Marschrichtung bereits vorgegeben. Eine Pallitivstation, so sind wir überzeugt, muss wie jeder Raum Flächen bieten, die sich kontrastieren. Das wird um so wichtiger, als man einen von Funktionalität erstickten Raum, bewohnbar machen will. Man bedenke das Unpersönliche gängiger Krankenhauszimmer, in denen wir alle schon mal lagen oder die Flure, die wir heute noch mit unbehagen durchschreiten, das helle Flurende fest im Blick, in der Hoffnung, dass hinter der Biegung endlich wieder ein Stück Himmel, ein wenig Sonne uns zeigt, dass es noch etwas anderes gibt als Krankheit. Vielleicht schreckt uns nicht die Konfrontation mit Krankheit so sehr, sondern ihre scheinbare Ausweglosigkeit, ihr Fluch der Abhängigkeit?
Es zeugt von unternehmerischer Weitsicht einer Krankenhausverwaltung den renovierungsbedürftigen Stationen ein neues Gesicht zu geben und gleichzeitig eine Ausstrahlung, die eine gewisse Behaglichkeit zulässt. In Konkurenz um den Patienten von Heute, muss das Unetrnehmen Krankenhaus Ganzheitlichkeit demonstrieren und die Sorge um den Kunden. Maschienen-medizinisch überversorgt aber pflegerisch/menschlich vereinsamt, muss der Patient schließlich seinen Tag allein, in Gesellschaft der anderen Kranken oder den besorgten Angehörigen überstehen. (Ich bitte zu Entschuldigen, aber meine Frau ist Ärztin, ich konnte mir das nicht verkneifen)
Unzählige Scharmützel also, lieferte sich Herr Brinkhaus mit einer Menge Meinungen und – überstand. Er hat für unserer Sache Farbe bekannt. Wie wir finden zum Nutzen des Raumes und jener, die ihn bewohnen werden müssen. Wie ich oben schon sagte, muss es nicht sein, dass wir eines jeden Lieblingsfarben getroffen haben. Auch wir entscheiden mit „Geschmack“. Das Ziel allerdings, eine kontrastierende Farbgestaltung einzubringen, die sich zugleich zurücknimmt, haben wir an dieser Stelle gegen Widerstände realisiert.






10 comments
Comments feed for this article
Februar 17, 2007 um 12:59
Vorschau KW8 « raumkonzentration
[...] Der Kampf um die gute Form anhand der Farbgestaltung der Palliativstation [...]
Februar 17, 2007 um 5:39
AmyEmilia
Thank you for blogging this angel photo. My German is non-existant, so I have no idea what you are writing about. But I’m glad you liked the photo.
Februar 22, 2007 um 3:39
Jaspar Traugoth
Nur ein paar Rückfragen:
Ist die im ersten Absatz erwähnte Haltung „ich- lasse-mir -doch -nichts-erzählen“ tatsächlich diesselbe wie „anything goes“ ? Mir scheint letztere eher aus einem nicht hinterfragten Zukunftsglauben oder einem zweckoptimistischen Verkäuferdenken geboren, während die erste doch einen Teil unserer angeborenen Eitelkeit sowie einem anerzogenem Herrschaftswillen entspringt, oder ?
Und wer ist „wir´“ im letzten Absatz ? Wir Innenarchitekten ?
Und wieso hat dies etwas mit Bürgerjournalismus zu tun ?
Februar 22, 2007 um 4:34
nerone
Lieber Jaspar,
gerne will ich deine konspirative Frage beantworten – und danke überhaupt für die Kontext bezogenen Fragen.
„ich- lasse-mir -doch -nichts-erzählen” hat etwas mit der „netz“bezogenen Arroganz zu tun, der man hin und wieder begegnet, wahrscheinlich auch auf diesen Seiten, man könne mit den geringsten Mitteln, nämlich Text und Meinung, Journalismus machen. Tatsächlich entstehen einige Luftblässchen an der Oberfläche eines unübersehbar großen Gewässers, dass sich Internet nennt.
Deswegen die Stoßrichtung Bürgerjournalismus. Es erinnert ja deswegen an meinem Berufsbild, weil man sich dem Argument schwerlich entziehen kann, welches nach dem Nutzen von Spezialisten fragt, die sich mit Wohnen oder mit Arbeiten u.a. (oder eben: Meinungen) beschäftigen. Das kann ja auch vordergründig jeder und ist letztendlich, wenn sich die Tür hinter einem schließt, Privatsache.
Der Nutzen der „Heimwerkerei“ will ich gar nicht in Abrede stellen, betreibe ich sie doch selbst. Allerdings birgt sie die Gefahr des Beliebigen (siehe Terracotta). Wenn Grau als Farbe behauptet wird, liegt es doch am Overkill einer bunten Welt.
Ich werde wir im Text genauer fassen müssen, entstand die Arbeit zu der Station innerhalb einer Kooperation zwischen abm-architekten und meinem Büro.
Februar 22, 2007 um 7:47
Jaspar Traugoth
Danke für die schnellen Antworten.
Den Zusammenhang mit „Bürgerjournalismus“ habe ich jetzt begriffen.
Die scheinbare Arroganz des “ich- lasse-mir -doch -nichts-erzählen” hat aber für mich andere Quellen. Tiefgründige Unsicherheit, die ( schlechte ) Erziehung zum permantenen „Behaupten“ ( eine Erscheinung des Kapitalismus ) und eine Selbstüberschätzung aufgrund von scheinbarem beruflichen Erfolg sind einige Stichwörter hierzu. Das Netz hat diese Eigenschaften bei den anfälligen Charakteren gestärkt, da gebe ich Dir recht.
Zu dem Kommentar von Amy Emilia möchte ich … gar nichts mehr sagen
November 2, 2008 um 8:12
leptjetapew
Just went through your pages. I like to show off my centered sport I have a good fresh joke for you! Did you hear about the dyslexic rabbi? He was walking around everywhere saying, „Yo!“
November 19, 2008 um 5:54
Dimaclatt
Должен признать, вебмастер зачетно написал.
November 19, 2008 um 6:14
Shoopmawtagot
Уважаемый убей себя
November 24, 2008 um 3:15
BefeadvofFled
В целом, тот кто писал голимо накреативил.
November 25, 2008 um 2:00
intarmensunse
Однако, хозяин сайта круто накропал.