anhand der Farbgestaltung der Palliativstation.

 

by AmyEmilie on Flickr, many thanksWas heißt schon gute Form?

Bevor irgendwer an das Internet dachte oder gar an den Bürgerjournalismus, gab es schon das Bewusstsein des ich-lass-mir- doch- nichts-erzählen. Gestalter aller Richtungen begegnen diesem anything goes mit spitzen Lippen, rümpfen die Nasen oder wenden den Blick ab. Sie fühlen sich durch die Beliebigkeit angewandter Klischees (z.B. der Tarracottafliese in speckiger Patina und mit oberflächenversiegelndem Lotuseffekt) nachgerade herausgefordert zu behaupten, Grau sei auch ein schillernde Farbe.

 

Nun sind es ja gerade diese subjektiven, mit rationalen Argumenten kaum bei-zu-kommenden Dispute über Farben, die in der Misere des größten gemeinsamen Nenners deutscher (weltweiter?) Wandgestaltungen führen. Man nehme von allem ein wenig, das Ganze auf Raufaser und erfreue sich schließlich an einem mutigen Weiß.

 

Im Spannungsfeld eines großen Unternehmens, welches auf vielen Ebenen viele Entscheider kennt, entstehen also zwangsläufig wirre und schwierige Verhandlungen über so ziemlich das einzige, wozu jeder eine persönliche und eindeutige Meinung hat: den guten Geschmack. Da sich über Funktion selten streiten lässt – aus Bescheidenheit sage ich an dieser Stelle: Die Kunden bestimmen die Funktionen und wir: Designer, Planer, Architekten, Innenarchitekten, etc., wir optimieren sie – entfaltet sich meist an der Farbe der eigentliche Disput, werden um die Farbe die großen Schlachten geführt und auch hier die großen Niederlagen erlitten, die keine Farbe kennen, nur einen Ton: Weiß!

 

Der Architekt Alfred Brinkhaus musste an der Front diese Schlacht zu führen. In unserem virtuellen Hauptquartier hatten wir die Marschrichtung bereits vorgegeben. Eine Pallitivstation, so sind wir überzeugt, muss wie jeder Raum Flächen bieten, die sich kontrastieren. Das wird um so wichtiger, als man einen von Funktionalität erstickten Raum, bewohnbar machen will. Man bedenke das Unpersönliche gängiger Krankenhauszimmer, in denen wir alle schon mal lagen oder die  Flure, die wir heute noch mit unbehagen durchschreiten, das helle Flurende fest im Blick, in der Hoffnung, dass hinter der Biegung endlich wieder ein Stück Himmel, ein wenig Sonne uns zeigt, dass es noch etwas anderes gibt als Krankheit. Vielleicht schreckt uns nicht die Konfrontation mit Krankheit so sehr, sondern ihre scheinbare Ausweglosigkeit, ihr Fluch der Abhängigkeit?

 

Es zeugt von unternehmerischer Weitsicht einer Krankenhausverwaltung den renovierungsbedürftigen Stationen ein neues Gesicht zu geben und gleichzeitig eine Ausstrahlung, die eine gewisse Behaglichkeit zulässt. In Konkurenz um den Patienten von Heute, muss das Unetrnehmen Krankenhaus Ganzheitlichkeit demonstrieren und die Sorge um den Kunden. Maschienen-medizinisch überversorgt aber pflegerisch/menschlich vereinsamt, muss der Patient schließlich seinen Tag allein, in Gesellschaft der anderen Kranken oder den besorgten Angehörigen überstehen. (Ich bitte zu Entschuldigen, aber meine Frau ist Ärztin, ich konnte mir das nicht verkneifen)

Unzählige Scharmützel also, lieferte sich Herr Brinkhaus mit einer Menge Meinungen und – überstand. Er hat für unserer Sache Farbe bekannt. Wie wir finden zum Nutzen des Raumes und jener, die ihn bewohnen werden müssen. Wie ich oben schon sagte, muss es nicht sein, dass wir eines jeden Lieblingsfarben getroffen haben. Auch wir entscheiden mit „Geschmack“. Das Ziel allerdings, eine kontrastierende Farbgestaltung einzubringen, die sich zugleich zurücknimmt, haben wir an dieser Stelle gegen Widerstände realisiert.